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Inhaltsverzeichnis

Arme Kinder haben Zukunftsangst

Aus eine Studie, die vom Kinderhilfswerk World Vision finanziert wurde und für die 1.600 Kinder befragt wurden, geht hervor, dass sich Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern schon im Alter von 8 bis 11 Jahren für den Rest ihres Lebens benachteiligt fühlen. (http://de.news.yahoo.com/dpa2/20071024/tde-arme-kinder-fhlen-sich-frh-benachtei-b33f0ce_1.html) (World Vision (Hrsg.): Kinder in Deutschland 2007. 1. World Vision Kinderstudie). Es handelt sich um die erste umfassenden Milieustudie von Kindern dieser Altersgruppe. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann kommentierte: Die schlechten Startchancen "prägen alle Lebensbereiche und wirken wie ein Teufelskreis. Wie ein 'roter Faden' zieht sich eine Stigmatisierung und Benachteiligung dieser Kinder durch das ganze Leben hindurch". Viele Eltern könnten wegen Armut ihren Kindern kein angemessenenes Freizeitangebot bieten, sagte Hurrelmann. Die Kinder müssten deswegen ihre Freizeit mit Fernsehen und Computerspielen verbringen. Die Mitautorin der Studie, Sabine Andresen, stellte heraus, dass die Klassengesellschaft keine neue Entwicklung sei. Erschreckend sei aber, wie sich in einem reichen Land wie Deutschland die Armut von Kindern eklatant auf ihre Biografien auswirke. Die Forscher stellten fest, dass viele Eltern mit der Erziehung überfordert wären. Deswegen müssten alle Bereiche der Gesellschaft helfen, die Kinder stark zu machen (http://news.abacho.de/aktuelles/artikel_anzeigen/index.html?news_id=77840 Soziale Herkunft bereis bei achtjährigen entscheidend).

Diskussion zum Thema: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=2471


Dahrendorf fordert Migrantenquote

83 von 100 Akademikerkindern schreiben sich in Deutschland an einer Hochschule ein, aus Familien ohne akademische Tradition tun das nur 23 von 100 Kindern. Nur acht Prozent der Studierenden sind Migrantenkinder, obwohl rund ein Fünftel der Bevölkerung und ein Viertel der Kinder und Jugendlichen unter 25 Jahren einen Migrationshintergrund aufweisen. Deswegen fordert der Soziologe Lord Ralf Dahrendorf eine Mindestquote der Studierenden aus bildungsfernen Schichten. Diese Quote soll der amerikanischen affirmative action ähneln. Quelle: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,506940,00.html

20% bis 30% der Schüler brauchen dringend Hilfe

Nach Aussagen der Zeitung "Neue Westfälische" brauchen 20% bis 30% der Schüler in NRW dringend Hilfe. So gering ist ihr Kenntnisstand. Am wenigsten Wissen haben die Schüler an den Hauptschulen und den Gesamtschulen. 2/3 der Schüler aus dieser Gruppe haben Förderbedarf im Fach Mathematik. 40% haben Förderbedarf im Fach Deutsch. In jeder einzelnen der Schulformen hatten Akademikerkinder mehr Wissen als Arbeiterkinder. Auf dem Gymnasium sind die Unterschiede jedoch minimal, auf der Hauptschule jedoch sind sie gravierend. Besonders gering ist das Wissen der Schüler an Hauptschulen in den so genannten Problemvierteln. Hier benötigen bis zu 95% (im Fach Mathematik) dringend Hilfe "Wer in NRW arm ist, wer in Stadtteilen mit hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Anteil an Migranten aufwächst, hat für sein Leben schlechtere Chancen" schlussfolgert die "Neue Westfälische". Die Hauptschule vermittele kein Wissen mehr und gehöre abgeschafft. (Quelle: hauptsächlich Neue Westfälische vom 22.08.2007) Hier auch etwas dazu: http://www2.school-scout.de/themen/pruefungen-und-abschluesse?r13b=Lernstand&gclid=CIiV--7HiY4CFRwUZwodNVASQg

Der lange Arm der sozialen Herkunft

Anscheinend können Kinder von Bildungsaufsteigern häufig den Erfolg ihrer Eltern nicht wiederholen. Zu diesem Ergebnis kommen Marek Fuchs und Michaela Sixt von der Universität Kassel. Die beiden Soziologen arbeiteten mit Daten des SOEP. Kinder von Bildungsaufsteigern erreichen zu einem geringeren Anteil die Hochschulreife als Kinder traditioneller Akademiker (als traditioneller Akademiker galt eine Person, wo schon Eltern und Großeltern Akademiker waren). Darüber hinaus hat der Anteil der Aufsteigerkinder mit Abitur immer stärker abgenommen. Zwar machten 81% der Kinder der Bildungsaufsteiger aus den Jahrgängen 1948 bis 1952 das Abitur. Jedoch machten nur 56% der Kinder der Bildungsaufsteiger aus den Jahrengängen 1958 bis 1962 das Abitur. Bei den Kindern der traditionellen Akademiker aus den gleichen Jahrgängen hingegen hatten 84% das Abitur. Zudem schlossen Kinder traditioneller Akademiker ihr Hochschulstudium häufiger erfolgreich ab. 84% der Kinder traditioneller Akademiker schlossen ein einmal begonnenes Hochschulstudium ab. Bei den Aufsteigerkindern waren es nur 72%.(vgl. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, bd. 59/1, 2007 und auch die neuste Ausgabe der Psychologie heute)

Hauptschulrektoren fordern Abschaffung der Hauptschule

In der vergangenen Woche hat ein offener Brief von fast 100 Rektoren von Grund- und Hauptschulen an Kultusminister Rau für Aufsehen gesorgt. Die Rektoren forderten darin die Abschaffung der Hauptschule. Die Hauptschule sei bei den Eltern nicht mehr akzeptiert. Aus diesem Grunde sei es notwendig, dass Kinder länger zusammen lernen würden. Internationalen Studien würden bestätigen, dass dieser Ansatz erfolgreich sei. Der BWHT hat den Autoren dieses offenen Briefes seine politische Unterstützung zugesagt. Gefordert wird eine 9jährige Basisschule für alle. Die erste Stufe bildet der Vorschulische Bereich, der obligatorisch sein muss und ein bis zwei Jahre umfassen soll. Darauf aufbauend soll in einer Grundstufe, deren Name noch zu definieren ist und die neun Jahre dauern soll, eine breit angelegte Allgemeinbildung mit einem größeren Bildungsangebot erfolgen, um einer individuellen Förderung gerecht zu werden. Im Anschluss an diese Phase soll die Spezialisierung entweder im allgemeinbildenden Gymnasium oder in der beruflichen Ausbildung (duale Ausbildung, vollzeitschulische Maßnahmen, berufliche Gymnasien) jeweils über drei Jahre erfolgen. Der Zugang zur Oberstufe soll über Eingangsprüfungen geregelt werden. Der Abschluss der dritten Bildungsphase soll zum Hochschulstudium berechtigen, so dass der Weg zur Hochschule jedem offen steht. Dies würde, so die Befürworter des Modells, die Vorteile eines eingliedrigen mit den Vorteilen eines gegliederten Schulsystems kombinieren. Der einzelne Schüler würde besser gefördert, so die Hoffnung.

  • Eine kostenlose Kopie des offenen Briefes und die kostenlose Broschüre "Mehr Mut für eine bessere Bildung" aus der Schriftenreihe "Positionen des Handwerks" können bestellt werden bei:
Nalan Tasci
Tel. (0711) 26 37 09-107
ntasci@handwerk-bw.de

Zahl armer Kinder wieder gestiegen

Wie die Zeitung "Die Zeit" meldet, ist die Zahl der armen Kinder schon wieder gestiegen. Im Jahr 2006 lebten 1,887 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Deutschland von Sozialgeld in einer Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaft, 173.000 mehr als im Jahr davor. Insgesamt nahm die Zahl der von Sozialgeld abhängigen Kinder 2006 im Westen mit elf Prozent gegenüber den neuen Bundesländern mit durchschnittlich sieben Prozent stärker zu. Der Hauptgeschäftsführer des paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, sagte, dass trotz guter Konjunktur die Kinderarmut in Deutschland wachse. Er sagte: "Familien mit Kindern tragen offensichtlich ein höheres Risiko für Armut". Der deutsche Kinderschutzbund wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass arme Kinder weniger "Chancen auf einen guten Schulabschluss, auf ein Leben in Gesundheit, an Teilhabe an sozialen und kulturellen Aktivitäten und ein entwicklungsförderndes und ausgeglichenes Familienleben" hätten.


Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft manipuliert Umfrage

Die INSM hat zusammen mit Unicum eine Umfrage gestartet, ob die Gebühren auch sinnvoll verwendet würden. Die Umfrage ist so aufgebaut, dass die Erhebung von Studiengebühren dabei als Selbstverständlichkeit angenommen wird, der Fokus der Gebührendiskussion also ausschließlich auf deren Verwendung gerichtet werden soll. Die INSM finanziert die Umfrage, als Initiator tritt jedoch eine "unabhängige" studentische Initiative auf. 10.04.07 (Quelle: Spiegel-online)

Bürgerkinder profitieren besonders von Stipendien

Wer sich Studiengebühren nicht leisten kann, bewerbe sich um ein Stipendium? So er oder sie nur "gut" wäre, bekäme man dieses dann auch? "Leistung" würde belohnt? Unabhängig von Herkunft und sozialer Situation? - Widerspruch! Wie auch andernorts im deutschen Bildungssystem spielt die "soziale Herkunft" eine entscheidende Rolle für die mit einem Stipendium verbundene "Bildungschance".

In Zeiten von Studiengebühren wird intensiver über Stipendien diskutiert. Durch sie, so die Bundesregierung, soll sichergestellt werden, dass auch für begabte junge Menschen aus den so genannten "bildungsfernen Schichten" – trotz Studiengebühren – ein Studium möglich ist. Die Bundesregierung plant, noch binnen dieser Legislaturperiode, die Mittel der so genannten Begabtenförderung soweit zu erhöhen, dass in Zukunft ein (statt bisher ca. 0,7) Prozent aller Studierenden ein Stipendium erhalten. Interessant ist, wer bisher gefördert worden ist.

Wie die Antwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung auf eine Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/4661) der Fraktion DIE LINKE zeigt, erhielten 2006 etwa 14.000 Studierende ein Studien- sowie knapp 3.000 ein Promotionsstipendium. Davon bekamen jedoch gut 40 Prozent "nur" das Büchergeld in Höhe von 80,- Euro monatlich. Das bedeutet: Mehr als 40 Prozent der mittels Steuergeldern geförderten "Begabten" entstammen nach den Worten des Ministeriums Familien mit einer "hohen Einkommenssituation".

Auffallend sind die großen Differenzen zwischen den einzelnen Studienwerken. Hans-Böckler- und Rosa-Luxemburg-Stiftung wiesen mit 68,85 bzw. 44,33 Prozent den weitaus höchsten Anteil an StipendiatInnen mit der vollen Fördersumme auf. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft, die Friedrich-Naumann-Stiftung und die mit Abstand größte und einflussreichste Stiftung, die Studienstiftung des deutschen Volkes, bilden das andere Extrem. Jede(r) zweite StipendiatIn erhielt nur das Büchergeld. Bei den Vollstipendiaten liegt die Studienstiftung mit einem Anteil von gerade einmal 15,89 Prozent sogar deutlich am Schluss.

Diese Zahlen sprechen dafür, dass bei diesen drei Stiftungen, die über 8.200 der insgesamt 13.415 StipendiatInnen fördern, trotz aller entgegenlautender Beteuerungen Stipendien nach wie vor stark anhand von Kriterien vergeben werden, bei denen eine hohe oder gehobene "soziale Herkunft" eine entscheidende Rolle spielt. Zum einen ist das durch Stipendien belohnte Kriterium "Leistung" schlicht blind dafür, dass familiär Begünstigte eben viel eher und einfacher als Benachteiligte "gute Leistungen" zu erbringen vermögen. Zum anderen gibt es offensichtlich (wie in anderen Ländern auch) informelle Maßstäbe, die für soziale Selektivität sorgen.

Die aktuelle Praxis der Vergabe von Stipendien verstärkt die Bildungsungerechtigkeit also noch weiter. Wenn, was bereits geschieht, die StipendiatInnen der Förderwerke an einigen Hochschulen nun per se von Studiengebühren freigestellt werden, heißt das konkret: Die ohnehin bereits Privilegierten werden noch stärker privilegiert. Während die relativ wenigen Jugendlichen aus den so genannten "bildungsfernen Schichten", die es überhaupt bis an die Hochschulen schaffen, Studiengebühren bezahlen müssen, werden die StipendiatInnen, die zu einem großen Teil aus dem Bürgertum kommen, von diesen freigestellt.

Dieser Artikel-Text stammt ursprünglich von Michael Hartmann und Jens Wernicke und unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung-NichtKommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland) lizenziert. [1]

siehe auch:

IFO-Institut untermauert die Kritik des UN-Menschenrechtsbeobachters

21.Februar 2007
Eine neue Studie des Münchner ifo-Instituts stützt die Kritik von UN-Menschenrechtsinspektor Vernor Muñoz am deutschen Schulsystem. Ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder sowie die anschließende Aufteilung auf weniger Schulformen schaffe mehr Chancengleichheit für Schüler armer Eltern wie aus Migrantenfamilien, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts.

In der ifo-Studie heißt es, nicht nur international, sondern auch bundesweit erreichten Schulsysteme «mit späterer und geringerer schulischer Selektion eine höhere Chancengleichheit». Der ifo- Bildungsökonom Ludger Wößmann verglich dabei unter anderem Daten aus Ländern wie Mecklenburg-Vorpommern mit vierjähriger Grundschule sowie aus Berlin und Brandenburg, wo die Kinder in der Regel sechs Jahre lang gemeinsam zur Grundschule gehen.

UN-Bildungsbericht kritisiert deutsches Bildungssystem

21. Februar 2007
Der Bericht des Menschenrechtsbeobachters Vernor Munoz liegt nun vor. Wie zu erwarten, weisen Philologenverband und konservative BildungspolitikerInnen auch diesmal wieder die Kritik weit von sich und greifen den Menschenrechtsbeobachter persönlich an.

Munoz fasst seine Kritik in 7 Punkten zusammen:

  1. Wandel von einem selektiven Bildungssystem zu einem System, bei dem das Individuum unterstützt wird
  2. größere Unabhängigkeit der Schulen
  3. Verbesserung der Bildungsinhalte und Methoden, insbesondere durch eine systematische Sprachausbildung der Migranten
  4. Verstärkung der demokratischen Schulkultur
  5. verstärkte Kindergartenangebote, die Einführung von Ganztagsschulen und den Verzicht auf ein gegliedertes Schulsystem
  6. eine andere Ausbildung für Lehrer, die nicht nur in einem Fachgebiet spezialisiert sein sollten, sondern auch auf pädagogischer Ebene
  7. stärkere Investitionen und mehr Finanzmittel für frühkindliche Unterstützung".

Hessische Kultusministerin argumentiert mit "praktischer Begabung"

(PM) 02. Februar 2007
Die hessische Kultusministerin Karin Wolff dementierte einen Bericht von der Frankfurter Rundschau vom 02.03.07, nach der das dreigliedrige Schulsystem durch ein zweigliedriges ersetzt werden solle. Allerdings solle nach Angaben der FR der Zusammenschluss von Hauptschule, Realschule und Gesamtschule nicht wie der gymnasiale Zweig abiturführend sein.

Karin Wolff dementierte den Artikel nun in einer Pressemitteilung: „In Hessen bleibt es bei einem gegliederten Schulwesen mit eigenständigen landesweiten Abschlüssen für Hauptschule, Realschule und Gymnasium.“

In ihrer Begründung greift sie auf die Begabungsideologie zurück: „Die Abschaffung der Hauptschule wäre die Fortsetzung der ideologisch begründeten Verachtung praktischer Begabungen, mit der von SPD-Kultusministern hessischen Schülerinnen und Schülern über viele Jahre hinweg schwerer Schaden zugefügt worden ist.“

Tatsächlich solle ein Weg gefunden werden, dass GrundschülerInnen sich schon frühzeitig für die Hauptschule entscheiden. Momentan würden nur noch 4% der SchülerInnen von der Grundschule zur Hauptschule gehen, hinzu komme eine große Zahl von Querversetzungen:

„Jetzt muss nach Wegen gesucht werden, die Attraktivität praxisorientierter Hauptschulzweige so zu erhöhen, dass die Zahl der Querversetzungen in die Hauptschule auch deshalb zurück geht, weil Schülerinnen und Schüler frühzeitig ihr Interesse an einer Schulform entdecken, die ihren Begabungen und Neigungen entspricht und sie auf ein erfolgreiches Berufsleben vorbereitet.“

Angeblich sei das Einheits-Schulsystem erwiesener Maßen gescheitert.

Harte Rüge vom Menschenrechtsinspektor am deutschen Bildungssystem

Berlin (dpa) 25.Februar 2007
Der UN-Menschenrechtsinspektor, Vernor Muñoz, hat mit scharfen Worten die deutsche Bildungspolitik gerügt. Das dreigliedrige Schulsystem mit Haupt-, Realschule und Gymnasium benachteilige durch seine frühe Aufteilung Kinder aus armen Elternhäusern und aus Migrantenfamilien.

Es wirke «extrem selektiv» und diskriminiere Behinderte, schreibt der Menschenrechtsexperte in einem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Der Jura-Professor aus Costa Rica besuchte im Auftrag der UN- Menschenrechtskommission genau vor einem Jahr Deutschland.

Weitere Kritikpunkte in dem Bericht sind die völlig unterschiedliche Schulorganisation der 16 Bundesländer, die Eltern und Schülern den Wohnortwechsel erschwere, fehlende Durchlässigkeit zwischen den Schulformen, die Lehrerausbildung, die Probleme beim Schulbesuch von Kindern, deren Familien illegal in Deutschland leben, sowie zu wenig Autonomie der einzelnen Schule gegenüber der Verwaltung.

Muñoz will am 21. März bei der vierten Sitzung des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen in Genf über seine Deutschland-Inspektion berichten. Sein vorläufiger Text, der vom Auswärtigen Amt übersetzt wurde, liegt jetzt den Kultusministern und dem Bundesbildungsministerium «vertraulich» vor.

Der Menschenrechtsexperte legt der Bundesrepublik «eindringlich nahe», das mehrgliedrige Schulsystem «noch einmal zu überdenken». Bei der im internationalen Vergleich «untypisch» frühen Aufteilung der in der Regel zehnjährigen Kinder auf die verschiedenen Schulformen könnten «die Schüler nicht angemessen beurteilt werden». Dies wirke sich besonders negativ auf arme Kinder, Schüler aus Migrationsfamilien sowie auf Kinder mit Behinderungen aus. Auch seien die Lehrer für das Auswahlverfahren der Schüler «nicht immer ausreichend geschult». Weltweit verteilt außer Deutschland nur noch Österreich die Kinder so früh auf verschiedene Schulformen.

Mit Blick auf die PISA-Studie verweist Muñoz darauf, dass in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft abhängt wie in Deutschland. Durch den internationalen Konkurrenzdruck wachse auch in der Bundesrepublik der Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitnehmern. Dabei bezieht sich Muñoz auch auf die im internationalen Vergleich geringe Abiturientenquote in Deutschland und bemängelt die hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss, insbesondere bei Migrantenkindern. Das in der UN- Menschenrechtscharta verankerte «Recht auf Bildung» müsse auch für Kinder im schulpflichtigen Alter gelten, deren Eltern illegal hier leben oder sich um Asyl bemühen.

Gewürdigt werden in dem Papier die von den deutschen Kultusministern nach dem PISA-Schock eingeleiteten inhaltlichen Verbesserungen. Doch für eine wirklich erfolgreiche Reform des «Bildungssystems als Ganzem» bedürfe es ebenso Änderungen an der Schulstruktur. Dieses hat die Kultusministerkonferenz (KMK) bisher abgelehnt.

In einer ersten Kommentierung weist die Bundesregierung die Kritik weitgehend zurück: «Deutschland gehört dank seines leistungsfähigen Bildungssystems zu einer der stärksten Wirtschaftsnationen und stabilsten Demokratien der Welt.» Eingeräumt wird allerdings, dass die «Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft» durchbrochen werden müsse, um Jugendlichen gleich welcher Herkunft «die besten Chancen auf Bildung zu bieten». In der KMK-Stellungnahme heißt es, einige der Kritikpunkte «beruhten offensichtlich auf Missverständnissen».

Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), verlangte als Konsequenz aus dem Bericht eine neue gemeinsame Offensive von Bund und Ländern zur Verbesserung des deutschen Bildungssystems. Durch seine mangelnde Leistungsfähigkeit gerate die Innovationsfähigkeit Deutschlands «immer mehr in Gefahr», sagte Burchardt am Sonntag der dpa. «Ein nationaler Bildungspakt ist jetzt überfällig.» Die Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, warnte Bundesregierung und Kultusminister davor, durch «Schönreden» die Analyse des Menschenrechtsinspektors einfach beiseite zu schieben.

siehe auch:

Protestaktion am Oberstufenkolleg Bielefeld

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Oberstufenkolleg Bielefeld nach Politkunst-Aktion

Indymedia 22. Februar 2007
Am Oberstufenkolleg Bielefeld macht sich eine erneute Protestkultur bemerkbar, die sich gegen die veränderungen in Richtung Regelschule wendet. So gab es anfang Februar ein plötzlich aufgetauchtes Fake im Namen der Kollegleitung, eine Fuck Gender! Ausstellung in den Klos und eine große Mal- und Sprühaktion in der Nacht vom 19.2 zum 20.2 in der Schule.

Das Oberstufenkolleg Bielefeld (OS), in den frühen 70er Jahren gegründet, war einst als alternative Versuchsschule weit bekannt. Das Kolleg wurde nach dem Konzept des Reformpädagogen Hartmut von Hentig gegründet und zeichnete sich in den Anfangsjahren durch eine Abwendung von dem Regelschulsystem in Deutschland aus. So gab es unter anderem keine Klausuren, keine Noten, keine Anwesenheitspflicht in den Kursen und alternative Unterrichtsformen und nach einer vierjährigen Ausbildungszeit das Grundstudium in den beiden Studienfächern. Durch zahlreiche Beschneidungen des Schulsystems gleicht es nun fast völlig einer Regelschule.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Schule wurde die Polizei und Staatsanwaltschaft informiert. Es kam zu einer spontanen Vollversammlung, die nach 45min auf die nächste Woche vertagt, wobei von Seiten der KollegiatInnen nun ein Forderungskatalog erstellt wird, der unter anderem für eine Demokratisierung der Schule wirbt, auch um das Kolleg aus der momentanen Krise zu befreien. Die Aktion war auf jeden Fall ein erster Anstoß zu einer hoffentlich folgenden Debatte über selbstorganisiertem und gleichberechtigtem Lernen an einem zu verändernden Oberstufenkolleg!

Ansturm auf Gesamtschulen

taz-nrw, Donnerstag 22. Februar 2007
In NRW findet eine Abstimmung mit den Füßen statt. Während die CDU/FDP-Landesregierung Gesamtschulen ablehnt, mussten die 217 Gesamtschulen in NRW dieses Jahr wieder 16.000 Anträge auf das kommende Schuljahr abweisen. Dies ist eine Steigerung gegenüber dem letzten Jahr, wo bereits 14.000 Eltern ihre Kinder nicht auf Gesamtschulen anmelden mussten.

Schulministerin Barbara Sommer (CDU) denkt zwar nicht mehr daran, die Gesamtschulen abzuschaffen, allerdings fördert sie sie auch nicht. An der Basis hingegen wächst der Druck und viele Eltern versuchen mit Elterninitiativen und Unterschriftenaktionen die Neuschaffung von Gesamtschulen voranzurbringen.

EU-Kommission fordert mehr Chancengleichheit in Deutschland

Montag 19. Februar 2007
Nach einer Meldung der AP fordert die EU-Kommission von der Bundesregierung verstärkte Anstrengung bei der Integration von Ausländern und Ausländerinnen und die Bekämpfung von Kinderarmut. Das Armutsrisiko für Kinder in Deutschland liege bei 14 Prozent, heißt es in einem am Montag vorgelegten Vergleich der Sozialsysteme in der EU. Oft werde Armut von einer Generation auf die nächste übertragen. Deshalb müsse der Zugang zu Bildung und Ausbildung für alle benachteiligten Gruppen, darunter Einwanderer und deren Nachkommen, verbessert werden.

Der Kommissionsbericht verweist auf eine Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) vom vergangenen Jahr, wonach der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland in starkem Maße von der sozialen Stellung ihrer Eltern abhängt. Besonders schlecht seien die Chancen von Kindern aus Einwandererfamilien.

Böckler-Stiftung fördert Arbeiterkinder!

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Böckler-Aktion Bildung

Die Hans-Böckler-Stiftung hat am 12.2.2007 eine Aktion gestartet, um insbesondere Schüler und Schülerinnen aus niedrigen sozialen Schichten ein Studium zu ermöglichen. Die Hans Böckler-Stiftung hierzu:

Mittelfristig wird die Hans-Böckler-Stiftung 2100 junge Frauen und Männer mit Stipendien fördern - 500 mehr als bisher. Pro Monat erhalten Stipendiaten bis zu 605 Euro inklusive Büchergeld. Die gemeinnützige Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes nutzt für den Ausbau der Studienförderung zusätzliche Gelder, die das Bundesbildungsministerium den Begabtenförderungswerken im Zuge seiner "Exzellenzinitiative" zur Verfügung stellt. "Es ist eben auch eine exzellente Leistung, wenn man als Kind einer bildungsbenachteiligten Familie den Hochschulzugang erreicht", sagt Jäger. Parallel erhöht die Stiftung auch ihre Eigenmittel für die ideelle Studienförderung. Sie fließen beispielsweise in studienbegleitende Seminare, Praktika und Studienaufenthalte im Ausland.

siehe auch:

Neue BAföG-Regelungen

(14.02.2007)

Da seit 2002 die BAföG-Sätze nicht mehr angepasst worden sind und nun der BAföG-Beirat dringend eine Anhebung des Freibeträge um 8,7% (125,- € monatlich) und des Beitragsatzes um 10,3% (48,- € für Studierende, 36,- € für SchülerInnen monatlich) fordert, gibt es nun eine Kampagne "BAföG rauf!"

Nachteile der neuen BAföG-Regelung

Insgesamt sind die neuen BAFöG-Regelungen für Arbeiterkinder sehr schlecht:

  • Es gibt keine Anpassung (das sechste Jahr in Folge!)
  • Elternunabhängiges BAföG wird für den Zweiten Bildungsweg nur noch gewährt, wenn man längere Zeit gearbeitet hat.
  • Die Übernahme von Studiengebühren im Ausland findet nicht mehr statt. Dieser Zuschuss wird auf die Hälfte reduziert und dies auch nur noch für ein Jahr.

Vorteile der neuen BAföG-Regelung

Es gibt auch einige wenige Verbesserungen:

  • man kann nun 400 statt 350 € hinzuverdienen
  • Studierende erhalten für ein Kind einen Zuschlag von 113 € (allerdings nur für eins)
  • Bei MigrantInnen ist es nicht mehr nötig, dass ihre Eltern einen gewissen Zeitraum in Deutschland gearbeitet haben. Es reicht, dass sie lange genug in Deutschland gelebt haben.

Weblinks

Ganztagsschulen für Arbeiterkinder zu teuer

(8.2.2007) Nach einer Umfrage der Freien Wohlfahrtsverbände in NRW nehmen immer mehr Eltern mit wenigen finanziellen Ressourcen ihre Kinder aus dem Ganztagsangebot der Schulen. Grund: das Essen ist zu teuer. Die Preise für die Essen schwanken deutlich: so verlangt die Stadt Köln monatlich für zwei Schulkinder 126 €, die Stadt Siegburg hingegen 205 € für das Essen, was im Jahr 948 € Unterschied ausmacht.

Rheinland-Pfalz plant Abschaffung der Kita-Gebühren

(8.2.2007) Als erstes Bundesland plant Rheinland-Pfalz die komplette Abschaffung der Kita-Gebühren bis zum Jahr 2010. In anderen Bundesländern wie beispielsweise NRW werden die Kita-Gebühren hingegen erhöht.

Freie Uni Bochum geräumt

(31.01.2007)Am Mittwoch morgen gegen 5:30 hat eine Polizei-Hundertschaft die Freie Universität Bochum umstellt und ist anschließend in das Gebäude eingedrungen. Einige Personen, die zu dieser Morgenstunde schon im Gebäude waren, sind von der Polizei vom Campus abtransportiert worden.

Studierwilligkeit wegen Studiengebühren rückläufig

(29.01.2007) Nach einer Studie des Hochschul-Informations-Systems ist die Studierwilligkeit in Deutschland weiter rückläufig. Unter den Studienberechtigten sei die Quote derjenigen, die studieren wollen von 71% auf 69% gesunken. Zweidrittel der Befragten, die auf ein Studium verzichten, begründen dies mit dem Wunsch nach baldiger finanzieller Unabhängigkeit, 3/5 äusserten den Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit und jeder Vierte gab als Grund die finanzielle Überforderung aufgrund der Studiengebühren an. Unter den studienberechtigten Frauen die auf ein Studium verzichten, nannten knapp ein Drittel (31%) der Befragten die Studiengebühren als Hinderungsgrund für die Aufnahme eines Studiums.

Während jede/r zweite Studienberechtigte aus akademischen Elternhaus ein halbes Jahr nach der Studienberechtigung bereits studierte, trifft dies nur für jede/r dritte aus nicht-akademischen Elternhäusern zu. Wird nur die Universität betrachtet, so sind die Unterschiede noch größer: Von den Studienberechtigten mit Akademiker-Eltern studieren dann bereits 37% - ihnnen stehen 23% mit nichtakademischen Eltern gegenüber.

Interview-Aufruf

(28.01.2007) Benutzerin Sonne plant eine Interviewreihe zum mehrgliedrigen Schulsystem. Das erste Interview wurde bereits geführt.

Suche nach Interview Partner

"ich suche noch interview-partner. eigentlich jeden, der eine eigene meinung zum mehrgliedrigen schulsystem hat, aber ganz besonders:
  • frauen, da es bis jetzt nur männer sind
  • lehrer
  • arbeitgeber
  • leute, die eine andere bildung haben als ihre eltern
bitte melden euch bei mir!/bitte melden sie sich bei mir! ich interviewe jeden ganz egal, ob seine meinung zum mehrgleidrigen schulsystem mit meiner übereinstimmt oder nicht!" Benutzerin Sonne

Wieder Senatssitzung gesprengt

Münster, 18.01.2007: Überraschenderweise wurde am Mittwoch, dem 17. Januar 2007, wieder die Senatssitzung der Uni Münster gesprengt. Die Uni Münster ist neben der Fachhochschule Düsseldorf und der Fernhochschule Hagen die einzige Hochschule in NRW, an der noch keine Studiengebühren beschlossen wurden. Am Mittwoch haben tausende von aufgebrachten Studierenden die Sicherheitskräfte im Schloss überrannt und die Senatssitzung, an der Studiengebühren stattfinden sollten, allein durch ihre Masse gesprengt.

Wie geht noch mal der Spruch? Masse statt Klasse!

Quellen:

Arbeiterkinder sollen keine Anwälte werden

Nach einem Artikel vom 8.1.2007 der britischen Zeitung "The Independent" werden in den Entscheidungsprozessen, wer Barrister werden kann, Working Class Students systematisch ausgeschlossen. Im britischen Recht sind Barrister die Anwälte, die die Klienten vor Gericht vertreten, während Solicitors Anwälte sind, die den Kontakt mit den Klienten halten und die Barrister instruieren. Barrister sind die höher angesehen Anwälte. Diese kommen zu 70% von privaten Hochschulen und die Ausbildungswilligen benötigen für die weitere Ausbildung 30.000 Pfund Sterling. Oftmals werde auch eine spezifische Redeweise höher gewertet als juristische Kompetenz.

Quelle:

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